Ignoranz statt Frechheit

KVBB kontert Äußerungen aus der Politik

Als völlig deplatziert bewertet Dr. Hans-Joachim Helming, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), einige Statements aus der brandenburgischen Politik zur Thematisierung einer Verzögerungstaktik seitens der Verantwortlichen für die medizinische Betreuung von Asylbewerbern. Als Reaktion auf eine Presseinformation der KVBB zur medizinischen Versorgung von Asylbewerbern vom 16.07.2015 fordert z.B. das Gesundheitsministerium die KVBB auf, „sich wieder an den Verhandlungstisch zu begeben“.

 

Dazu stellt Dr. Helming richtig: „Die KV Brandenburg fordert seit langer Zeit immer wieder und seit einem halben Jahr verstärkt die kommunalen Verantwortungsträger auf, an den Verhandlungstisch zu treten – bislang sitzt die KV dort allein!“

 

Darüber hinaus hatte die stellvertretende Geschäftsführerin des brandenburgischen Landkreistages Dr. Helmings Äußerungen sogar als „Frechheit“ bezeichnet. „Frau Schlüter hat wohl ein eigenartiges Verhältnis zur Problemthematisierung“, so Dr. Helming zu den Äußerungen. „Wenn die von ihr vertretenen Kommunalstrukturen der „Order des Sozialministeriums“ folgen und die Verhandlungsangebote nicht aufgreifen, weil irgendwann eine Chipkarte eingeführt werden soll, welche selbst nicht einen Patienten behandelt und außer einer Arbeitsentlastung der Sozialämter überhaupt nichts an medizinischer Versorgung regelt, dann muss es erlaubt sein, auf dieses eklatante Defizit hinzuweisen.“

 

Weiter erläutert der Vorstandsvorsitzende der KVBB:

„Täglich kommen mehr und mehr Flüchtlinge in die Praxen der niedergelassenen Ärzte– und die wenigsten haben einen einfachen Schnupfen. Ich möchte nur aus einem Brief zitieren, der uns und das Landesgesundheitsamt kürzlich erreicht hat: Die Tuberkulosediagnostik wird zurzeit nicht immer vollständig durchgeführt und bildet aus unserer Sicht eine erhebliche Gefährdung für unsere Gesellschaft und für die Familien von Asylsuchenden! Zurzeit werden Familien zum Teil ohne oder mit inkompletter Tuberkulosediagnostik regelhaft in größerer Anzahl in Übergangsheimen und deren Kinder dann in Schulen, Horte und Kindergärten aufgenommen, weil sie bei Aufnahme in Übergangsheime als seuchenfrei gelten sollen. Wir nehmen solche Nachrichten sehr ernst – und das sollte die Politik auch tun, anstatt mit Verwalten und Aussitzen auf Zeit zu setzen.“

22.07.2015