Innovationsfondsprojekt RESIST: Unnötige Antibiotika vermeiden

Brandenburger Ärzte verordnen besonders patientengerecht

Gemeinsame Pressemitteilung Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek), Landesvertretung Berlin/Brandenburg und Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg

 

September 2020. Resistente Bakterien werden zunehmend zu einem Problem in der Gesundheitsversorgung. Je weniger Antibiotika verordnet werden, desto mehr verlangsamt sich der bakterielle Anpassungsprozess, an dessen Ende die Resistenz steht. In sieben Bundesländern, so auch in Brandenburg, wurde das Projekt „RESISTenzvermeidung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz bei akuten Atemwegsinfektionen“ (RESIST) durchgeführt, dessen Ergebnisse jetzt vorliegen. Eine wesentliche Erkenntnis lautet, dass die ärztlichen Verordnungen für Antibiotika zurückgehen, wenn die Patienten gezielt darüber aufgeklärt werden.

 

An dem Projekt RESIST arbeiteten der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) gemeinsam mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und acht Kassenärztlichen Vereinigungen, darunter auch die KV Brandenburg (KVBB). Im Rahmen des Projekts wurden bundesweit mehr als eine Millionen Ersatzkassenversicherte der Techniker Krankenkasse (TK), BARMER, DAK-Gesundheit, KKH Kaufmännische Krankenkasse, hkk – Handelskrankenkasse und HEK – Hanseatischen Krankenkasse versorgt. Das Institut für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Rostock und das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) übernahmen die wissenschaftliche Projektbegleitung.

 

Antibiotika wirken nicht gegen Erkältungsviren

In Brandenburg nahmen 140 Haus-, Kinder- und HNO-Ärzte sowie Fachärzte für Innere Medizin an dem RESIST-Projekt teil und damit die Arztgruppen, die überwiegend Antibiotika verschreiben. Rund 85 Prozent aller Antibiotika werden in Deutschland im Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen verordnet, die in der Regel aber von Viren und nicht von Bakterien ausgelöst werden. Antibiotika wirken nicht gegen Viren.

 

Brandenburger Kassenärzte Vorreiter

Während in der Wintersaison 2016/2017 in Brandenburg noch 18 Prozent der Patienten mit akuten Atemwegsinfekten von den teilnehmenden Haus-, Kinder- und HNO-Ärzten ein Antibiotikum erhielten, waren es in der Wintersaison 2018/2019 nur noch 13 Prozent. Im Einzelnen sanken die Verordnungen in diesen Praxen bei Infektionen der oberen Atemwege (z.B. Mandelentzündungen, Nasenneben- und Stirnhöhlenentzündungen) von 14 auf 11 Prozent, bei Infektionen der unteren Atemwege wie Bronchitis von 38 auf 29 Prozent. In keiner der anderen Projekt-Regionen wurden bei Atemwegsinfekten weniger Antibiotika verordnet, als in Brandenburg. Die Brandenburger Kassenärzte sind damit Vorreiter bei diesem wichtigen Thema.

 

Weniger und gezielter

Der sinnvolle Einsatz von Antibiotika bezieht sich jedoch nicht nur auf die Quantität des Einsatzes, sondern auch auf die Qualität der Wirkstoffauswahl, wobei für RESIST der Ansatz „so schmal wie möglich, so breit wie nötig“ verfolgt wurde. Ziel ist also nicht die komplette Abkehr von einem Einsatz von Breitspektrumantibiotika, sondern die kritische Abwägung, ob und welches Antibiotika angemessen ist. Dies ist im Rahmen von RESIST gelungen, da sich bei den Teilnehmern insgesamt eine Verschiebung zu Wirkstoffen mit einem schmaleren Wirkspektrum beobachten lässt.

 

Dr. Peter Noack, Vorstandsvorsitzender der KVBB: „Leider gibt es immer noch den Mythos, dass Antibiotika gegen Erkältungen helfen. Bei uns in Brandenburg wurden auch bisher schon Antibiotika mit medizinischem Augenmaß verordnet. Mit dem Projekt konnten wir nun erfolgreich weiter aufklären und Ärzte wie Patienten für das Thema und die Gefahren der Resistenzbildung noch stärker sensibilisieren. Gerade mit Blick auf die anstehende Erkältungssaison freue ich mich über das Ergebnis.“ 

 

Marina Rudolph, Leiterin der vdek-Landesvertretung Berlin/Brandenburg:“ RESIST hat den hohen Wert der sogenannten sprechenden Medizin ein weiteres Mal aufgezeigt, bei der Ärzte auf das Für und Wider einer Behandlung hinweisen. Patienten sind grundsätzlich offen für gute und nachvollziehbare Argumente. Es wäre wünschenswert, wenn das Projekt mit seinem Vorbildcharakter bundesweit umgesetzt wird, um vermeidbare Antibiotikaverordnungen auch tatsächlich zu vermeiden.“

 

Hintergrund

Im Rahmen von RESIST wurde eine bessere Kommunikation zwischen Arzt und Patient gefördert. Dies geschah durch gezielte Fortbildungen der Ärzte sowie Patienteninformationen wie Flyer, Praxisposter oder einem Infozept (statt Rezept) mit Tipps zum Umgang mit Erkältungskrankheiten.

25.09.2020