Strompreisbremse für Arztpraxen jetzt!

KVBB warnt vor Einschnitten in der Versorgung

Die steigenden Strompreise treffen die Praxen der Ärzte und Psychotherapeuten mit voller Wucht. Im Gegensatz zu den Krankenhäusern, die durch Mittel aus dem Landeshaushalt bzw. regionale Zuschüsse gestützt werden, geht die ambulante Medizin leer aus. Insbesondere für Praxen, die viel Energie verbrauchen, wie Radiologie-, Strahlentherapie- oder Dialysepraxen, wird es zunehmend existenzbedrohend. 

 

„Vor allem für die energie-intensiven Praxen fordern wir eine sofortige Strompreisbremse bzw. eine finanzielle Entlastung“, sagt der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), Holger Rostek. „Bekommen diese Praxen keine Finanzhilfe, werden sie gar nicht anders können, als Geräte abzuschalten, um Strom zu sparen. Reduzierte Sprechzeiten, weniger Termine und längere Wartezeiten für Patienten sind die direkte Folge. Soweit darf es unter keinen Umständen kommen! Um die Patientenversorgung bedarfsgerecht gewährleisten zu können, benötigen die Praxen Unterstützungsleistungen und Sicherheitsschirme von Bund und Land.“ 

 

Dialysepraxen oder große Labore mit einem Stromverbrauch von über 300.000 Kilowattstunden pro Jahr könnten eine Steigerung der Stromkosten von beispielsweise 300 Prozent nicht stemmen, warnt Herr Rostek. 

Statements aus der Ärzteschaft

 

Dr. Jens Ringel, Facharzt für Innere Medizin/Schwerpunkt Nephrologie, Potsdam: „Die direkten Energiekostensteigerungen und die teils erheblichen Preissteigerungen bei energieabhängigen Zulieferern sowie die massiv gestiegenen Personalkosten sind bereits für einzelne Brandenburger Dialysepraxen existenzgefährdend und stellen eine nicht mehr allein zu bewältigende Belastung dar. Für unsere Patientinnen und Patienten gibt es keine Behandlungsalternative. Eine Unterbrechung oder Einschränkung der Dialysebehandlung gefährdet Leben!“

 

Dr. Thomas Felix Beyer, MBA, Facharzt für Radiologie, Königs Wusterhausen: „Für ein verbessertes Angebot einer flächendeckenden radiologischen Versorgung sind grundsätzlich optimierte Rahmenbedingungen erforderlich. Dabei werden die sprunghaft steigenden Energiekosten nunmehr zu einem limitierenden Leistungsfaktor in der radiologischen Diagnostik. Ohne Strom nix los!“

 

Dr. Frank Gottschalk, Facharzt für Nuklearmedizin und Innere Medizin, Fürstenwalde/Spree: „Für radiologische, nuklearmedizinische und strahlentherapeutische Praxen mit hochmoderner Diagnostik und Therapie kann das beispiels-weise Kostensteigerungen für die Elektroenergie von 100.000 Euro jährlich und mehr bedeuten. Allein ein MRT verbraucht pro Jahr ohne die erforderliche Klimatisierung der Räume bereits etwa 90.000 Kilowattstunden. Dabei kann das Gerät aufgrund der Kühlung in Ruhezeiten nachts und am Wochenende nicht abgeschaltet werden. Sollten wir gezwungen sein, Geräte abzustellen, dann können wir längerfristig keine Untersuchungen anbieten.“ 

 

Dr. Karsten Mydlak, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Cottbus: „Viele unsere Geräte sind auf eine energieintensive Klimatisierung und eine permanente Stromzufuhr angewiesen. Bereits kurze Stromausfälle können fatale Auswirkungen haben. Wir haben uns präventiv darauf mit Stromspeichern vorbereitet, die aber natürlich in ihrer Kapazität begrenzt sind. Für 2023 erwarten wir Mehrkosten von über 350.000 Euro für die Strombeschaffung. Daneben haben wir erheblich gestiegene Personalkosten. Sollte ein kritischer Wert überstiegen werden, dann können wir nicht weiter in eine zeitgemäße Labordiagnostik investieren. Wenn wir kein neues Massenspektrometer oder PCR-Gerät anschaffen können, wird es nicht mehr wie bisher taggleich nahezu jeden Medikamentenspiegel oder jede Erreger-PCR geben.“ 

27.10.2022