Wir lassen uns nicht den Schwarzen Peter zuschieben!

Impfstofflieferungen an Arztpraxen werden regelmäßig quotiert

Pressemitteilung

 

Die Potsdamer Neueste Nachrichten (PNN) berichten in ihrer heutigen Ausgabe, dass rund 34.000 Impfdosen, die der Bund für das Land bereitgestellt hat, von den Brandenburger Vertragsärzten nicht abgerufen worden seien. Die Darstellung der PNN ist verkürzt, irreführend und falsch.

 

MUDr./ČS Peter Noack, Vorsitzender der KVBB: „Die Brandenburger Vertragsarztpraxen bestellen seit Wochen Impfstoff in großen Mengen und nie erhalten sie die Mengen, die sie bestellen, sondern werden regelmäßig streng quotiert. Das führt zur Ärger und Frustration in den Praxen und bei den Bürgern, regelmäßig müssen bereits vereinbarte Termine abgesagt werden. Diese Rückmeldung erhalten wir Woche für Woche aus den Arztpraxen. Die Behauptung, die Kolleginnen und Kollegen würden Impfstoff nicht abrufen oder in der eigenen Praxis lagern, ist daher realitätsfern. Anscheinend will uns hier jemand den Schwarzen Peter zuschieben für die im Bundesvergleich schleppende Impfkampagne im Land. Die politisch Verantwortlichen sind dafür zuständig, dass im Land Brandenburg so viel Impfstoff ankommt, wie uns nach der Bevölkerungszahl zusteht.

 

Als Kassenärztliche Vereinigung sind wir weder für die Impflogistik noch für die Verteilung der Impfstoffe zuständig. Sowohl in den Arztpraxen als auch in den Impfzentren können wir nur so viele Dosen verimpfen, wie uns Impfstoff zur Verfügung gestellt wird. Die Logistik ist einzig und allein die Aufgabe der staatlichen Organisationen. Wir sind weder in die Bestellung noch in  die Verteilung oder das Controlling eingebunden. Wenn überhaupt erhalten wir diese wichtigen Informationen nur auf Umwegen. Das dürfte doch allen Sachkundigen bekannt sein.

 

Die aktuelle Presseberichterstattung bezieht sich auf einen Report des Paul-Ehrlich-Instituts. In diesem wird nicht der Abruf der Impfdosen durch die Arztpraxen dargestellt, sondern die Verteilung über den Großhandel an die Apotheken. Aus diesen Zahlen lassen sich keine validen Rückschlüsse auf die Impfungen in den Arztpraxen ziehen. Statt nun populistische Vorwürfe gegenüber den Kolleginnen und Kollegen zu erheben, sollte sich die Politik lieber einmal mit den Ärztinnen und Ärzten unterhalten. Unsere jüngste Einladung dazu wurde von der Landespolitik leider ausgeschlagen. Ansonsten wüssten sie, dass die Kolleginnen und Kollegen sich in  sehr hohem Maße neben der Regelversorgung in der Impfkampagne engagieren, um alle Menschen im Land schnellstmöglich zu impfen.“

 

Hintergrund: Dokumentation der Antworten der KVBB an die PNN

(Anfrage vom 20.05.21, 15:07 Uhr, Antwort um 17:29 Uhr)

 

Trifft es zu, dass die Arztpraxen Brandenburgs seit einigen Wochen den über den Bundesstrang für das Land bereitstehenden Impfstoff nicht vollständig abgerufen haben? Wenn ja, wie viele Dosen betrifft das in der Zeit vom 14.-19.KW? Wie konnte es dazu kommen? Trifft es zu, dass von 14. bis 19.KW rund 34.000 Impfdosen für Brandenburg von den Arztpraxen nicht abgerufen wurden? 

 

Die Brandenburger Vertragsarztpraxen haben den Impfstoff vollständig abgerufen und wurden sogar von den Apotheken/Großhandel mangels Impfstoff regelmäßig massiv quotiert. Die Statistiken des Paul-Ehrlich-Institutes zeigen Unschärfen, da sie nicht die Vertragsarztpraxen, sondern die Verteilung zwischen Großhandel und Apotheken darstellen und dies auch nicht immer trennscharf zwischen den Bundesländern. Die Statistik zeigt somit nicht das Verhalten der Praxen.

Bundesweit wurden bis zum Ende der Kalenderwoche 19 gelieferte Dosen Impfstoff zu 89,3% (mit Stand 18.05.2021 gem. aktueller Veröffentlichung des BMG und RKI) verimpft. Die hier benannten Daten des Paul-Ehrlich-Instituts zeigen Abweichungen in den Lieferungen und Warenausgängen je Bundesland zwischen -1% und + 1%. Da ist Brandenburg mit einer Abweichung von -0,3% im vollkommen normalen Bereich.

 

Kann die KVBB garantieren, dass der Impfstoff für Brandenburg über den Bundesstrang inzwischen komplett abgerufen wird? Wie stellt die KVBB das sicher?

 

Wir vergleichen die angekündigten Liefermengen des Bundes mit den gemeldeten Impfungen unserer Mitglieder bzw. erfragen die Liefermengen je Praxis. Bisher wurden alle Praxen aufgrund von Liefermangel regelmäßig quotiert.

 

Nach dem Impfgipfel des Landes am 10. Mai war in der Pressemitteilung der Landesregierung zu den Vereinbarungen auch Folgendes enthalten: „Die KVBB wird dafür Sorge tragen, dass in den Arztpraxen vorhandene Lagerbestände des Impfstoffs AstraZeneca zügig aufgelöst und verimpft werden.“ Sind in den Arztpraxen vorhandene Lagerbestände von AstraZeneca inzwischen aufgelöst und verimpft?

 

Diese Aussage wurde vom Impfstab relativiert. Es gibt und gab keine größeren Lagerbestände von AstraZeneca in den Arztpraxen. Alle Impfstoffe werden zeitnah (i.d.R. noch in der gleichen Woche bzw. Folgewoche nach Lieferung) verimpft. Allerdings stehen die Praxen aufgrund der Lieferschwankungen und -ausfälle vor großen Herausforderungen bei der Planung und Terminierung von Patienten. Manche Praxen haben daher kleine Notreserven angelegt, um z. B. die Hausbesuche der nächsten Woche bei Schwerkranken oder anstehende Zweitimpfungen auch dann abzusichern, wenn die Apotheken wieder quotiert liefern!

 

Wie passt das Nichtabrufen des Impfstoffs für Brandenburg durch die Arztpraxen zu den Forderungen der KVBB, den Arztpraxen möglichst allein das Impfen zu übertragen und die Impfzentren aufzugeben?

 

Das passt sehr gut, denn der Vorwurf des Nichtabrufens ist nicht haltbar. Impfstoff wird i.d.R. in den Arztpraxen wesentlich schneller verimpft als über die Lieferkette Land und Impfzentren bzw. kommunales Impfen.

 

21.05.2021