Selbstverwaltung: Ich bin dabei, weil …

Im September sind Sie alle aufgerufen, Ihre Vertreterversammlung und Regionalbeiräte neu zu wählen. Warum sie sich ehrenamtlich in diesen Gremien der ärztlichen Selbstverwaltung engagieren, haben wir Ihre Kolleginnen und Kollegen gefragt.

 

 

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Dr. med. Karin Harre

Fachärztin für Allgemeinmedizin, Walsleben

Vorsitzende des Hausärzteverbands Brandenburg und Mitglied der KVBB-Vertreterversammlung

Warum ist berufspolitisches Engagement in den KV-Gremien wichtig?
Nur wir selber wissen wirklich, was in unseren Praxen vorgeht. Die Politik hat leider keine Vorstellung von unserem Aufwand und unserem Stellenwert in der Versorgung der Bevölkerung, wie wir immer wieder sehen. Nur wir selbst können unsere Interessen als Niedergelassene vertreten und sinnvolle Veränderungen mit beeinflussen. Und nur mit ärztlichem Wir-Gefühl und starken Selbstverwaltungsgremien haben wir eine Chance in Verhandlungen mit Kassen und Co.

Was raten Sie Kolleginnen und Kollegen, die in der Selbstverwaltung aktiv werden wollen?
Jede Unterstützung in der ärztlichen Selbstverwaltung wird benötigt, denn unsere Berufspolitik müssen wir selbst erledigen. Ansonsten bestimmen andere über unsere Arbeit. Über die vielzähligen Möglichkeiten des Engagements und die kurzen Wege in die verschiedenen Gremien informieren Sie die örtlichen Vertreter oder die Geschäftsstelle Ihres Berufsverbandes. Mischen Sie mit! Machen Sie bei der anstehenden Wahl die Liste Ihrer Arztgruppe stark.

Dr. med. Frank Berthold

Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie

Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Frankfurt (Oder) 

Mitglied der Vertreterversammlung

Warum ist das berufspolitische Engagement in der Vertreterversammlung für ambulant tätige Ärzte und Psychotherapeuten wichtig?

Seit vielen Jahren bin ich in Gremien unserer KVBB engagiert, in Kommissionen, Ausschüssen, in der Vertreterversammlung. Das kostet mich Zeit und etliche Kilometer. Dennoch meine ich, dass diese Investitionen lohnen: Es kommt für uns mehr heraus als einer allein einbringen kann.

Klar sind wir Körperschaft und kein Berufsverband, keine Kampfgemeinschaft. Trotzdem können wir in vielen wichtigen Fragen mitgestalten – kreativ sein oder wenigstens Schaden abhalten.

Was macht Ihnen am Engagement in der Vertreterversammlung besonders viel Freude?
Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, mit Ärzten und Psychotherapeutinnen, mit Zugelassenen und Angestellten, mit Stadt und Land hilft ungemein. Bereichert uns Beteiligte und weitet den Horizont. Führt zusammen und auf den Punkt. Meistens jedenfalls.
Worüber haben Sie sich in der VV zuletzt richtig geärgert?
Oft sind die Zusammenhänge komplex. Komplizierter, als ich mir das vorher aus Sicht des eigenen Fachgebietes und von der Oder über die Spree zur Havel schauend vorgestellt habe. Diskussionen sind gelegentlich mühsam, kräftezehrend. 
Was raten Sie Kolleginnen und Kollegen, die in der VV berufspolitisch aktiv werden wollen?
Ärgern hilft nicht, sondern einbringen, mitreden, moderieren, Kompromisse finden, mitgestalten. Das befriedigt und kann sogar Spaß machen!
Dipl.-Med. Sigrid Schwark

Fachärztin für Allgemeinmedizin, Bernau Regionalbeiratsmitglied Ostbrandenburg


Foto:
Elmer Esser
Warum ist das Engagement in den Regionalbeiräten für ambulant tätige Ärzte und Psychotherapeuten wichtig?
Die Regionalbeiräte sind die Verbindung zwischen der KV und den niedergelassenen Kollegen vor Ort. Auf kurzem Informationsweg können über die Regionalbeiratsmitglieder auftretende Versorgungsprobleme vor Ort oder andere dringende Fragen schnellstmöglich geklärt werden. 

Was macht Ihnen Spaß an der Aufgabe des Regionalbeirats? 
Der regelmäßige Kontakt und Austausch mit den Kollegen aus anderen Regionen. 

Was raten Sie Kolleginnen und Kollegen, die in den Regionalbeiräten aktiv werden wollen?
Viel Engagement mitzubringen, aber auch etwas Zeit dafür einzuplanen. 
Dr. med. Peter Ledwon

 

Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Potsdam Mitglied der Vertreterversammlung

Warum ist das berufspolitische Engagement in der VV für ambulant tätige Ärzte und Psychotherapeuten wichtig?
Jeder ambulante und auch stationär tätige Arzt sollte sich mit berufspolitischen Themen auseinandersetzen und sich aktiv in die entsprechenden Prozesse einbringen. Dies ist entscheidend, wenn wir unsere Berufsfreiheit und unsere fachliche Autonomie erhalten und von unsachlicher politischer und ökonomischer Einflussnahme schützen wollen. Engagieren wir uns nicht selbst, dann werden wir in unserer Arbeit bald ausschließlich fremdbestimmt sein.

Was macht Ihnen am Engagement in der VV besonders viel Freude?
Durch meine Arbeit in der Vertreterversammlung und der Kammerversammlung bekomme ich Einblicke in Entscheidungsprozesse und kann diese besser bewerten und nachvollziehen. Kommt es aus meiner Sicht zu Fehlentwicklungen versuche ich, diese zu verhindern. Ein wichtiges Instrument hierfür ist, dass man gleichgesinnte Mitstreiter findet.


Worüber haben Sie sich in der VV zuletzt richtig geärgert?
Geärgert habe ich mich über das Kompetenzwirrwarr im Management zur Bewältigung der Coronakrise, bei denen die Akteure Erfolge für sich reklamiert und die Verantwortung bei Fehlern abgewiesen haben.

 

 

 

Dr. med. Anke Speth

Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und Leitende Ärztin der Poliklinik Rüdersdorf

Mitglied der Vertreterversammlung


Foto CarolinUbl
Warum ist das berufspolitische Engagement in der VV für ambulant tätige Ärzte und Psychotherapeuten wichtig?
Ist es für Angestellte überhaupt wichtig? Schließlich regelt doch alles der Vertrag mit dem Arbeitgeber? Man kümmert sich „nur“ um seine Tätigkeit und damit gut ... Könnte man denken. Stimmt aber nicht! Klar, die vertraglichen Sachen und auch die örtlichen Rahmenbedingungen der eigenen Tätigkeit werden so geregelt. Doch wenn es um die Vergütung der Leistung, sinnvolle Kooperationen oder zum Beispiel die Rahmenbedingungen für individuelle Lösungen der ärztlichen Tätigkeit oder neue Ideen geht, dann braucht es mehr. Und wer weiß besser als man selbst, was da gerade wichtig ist?
Was macht Ihnen am Engagement in der VV besonders viel Freude?
Ganz klar: Dass ich mitreden kann, wenn es um Gestaltung des Hier und Jetzt und auch der Zukunft der ärztlichen Tätigkeit geht. Aus meinem eigenen Umfeld erfahre ich viele Ideen, die ich mitnehmen kann und die auch gehört werden. Dazu kommen die Diskussionen und der Austausch mit den anderen Vertretern, bevor Entscheidungen getroffen werden. Das hilft auch wieder für den eigenen Alltag.
Worüber haben Sie sich in der VV zuletzt richtig geärgert?
Dass es nicht allen Vertretern immer gelingt, Entwicklungen in der Versorgungstruktur, die geplant oder längst etabliert sind, differenziert und als gleichwertig statt als Bedrohung zu betrachten. Das hindert dann auch daran, einen unbeeinflussten Blick in die Zukunft zu wagen, und führt manchmal einfach nur dazu, Potentiale für andere Konstellationen nicht zu erkennen, im schlimmsten Fall aber zur Verweigerung für Anderes als das Gewohnte.
Was raten Sie Kolleginnen und Kollegen, die in der VV berufspolitisch aktiv werden wollen?
Melden Sie sich gern bei einem oder mehreren derzeitigen Vertretern, um zu erfahren, was es konkret bedeuten und wie es gelingen kann. Egal, ob Sie in Brandenburg in eigener Niederlassung, im Angestelltenverhältnis, in Teilzeit, Vollzeit, teils ambulant/teils stationär tätig sind: Ihre Erfahrungen und Gedanken sind wichtig! Sie können in der Vertreterversammlung, in den Ausschüssen der VV oder regional Impulse für die Sicherstellung und Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung und für ein gutes Miteinander aller Ärzte geben. Aber vor allem: Trauen Sie sich! Machen Sie mit!
Torsten Schulz

Facharzt für Urologie, Senftenberg

Regionalbeiratsmitglied Südbrandenburg

Warum ist das Engagement in den Regionalbeiräten für ambulant tätige Ärzte und Psychotherapeuten wichtig?
Man hat einen besseren Bezug zur Basis. So kann man bei Bedarf auch schneller Kontakt aufnehmen – sowohl zu den Kollegen vor Ort als auch zur KV.

Was macht Ihnen Spaß an der Aufgabe des Regionalbeirats?
Ich bekomme direkte Informationen aus sicherer Hand von der KV. Dadurch kann ich die Kollegen vor Ort besser unterstützen und so gute Kontakte aufbauen und pflegen.

Gibt es Punkte, die Sie als Regionalbeirat frustrieren? 
Die schlechte Ansprechbarkeit einiger regionaler Kollegen, deren teilweises Desinteresse. Auch die Machtlosigkeit gegenüber vieler politischer Maßnahmen, beispielsweise in Bezug auf die IT.

Was raten Sie Kolleginnen und Kollegen, die in den Regionalbeiräten aktiv werden wollen?
Bringen Sie Durchhaltevermögen mit.

 

 

 

 

 

 

 

Dr. med. Thomas Döbler

Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Frankfurt (Oder)

Vorsitzender des Brandenburger Landesverbands des Berufsverbands der Frauenärzte


Warum ist berufspolitisches Engagement in den KV-Gremien wichtig?

Wenn wir es nicht selbst in die Hand nehmen, werden andere uns auf keinen Fall AN die Hand nehmen.
Was raten Sie Kolleginnen und Kollegen, die in der Selbstverwaltung aktiv werden wollen?
Warum habe ich vor über 25 Jahren ein Mandat im BVF übernommen? Weil ich mehr über die Zusammenhänge im System wissen wollte, und das mit anderen teilen wollte.

 

 

 

Dr. med. Henning Leunert

Facharzt für Orthopädie, Teltow
Vizepräsident des Berufsverbands für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)

Warum ist berufspolitisches Engagement in den KV-Gremien wichtig?
Wir versorgen täglich unsere Patienten, wir müssen die Versorgung mitgestalten! Die Schnittstelle ambulant/stationär braucht neue Strukturen.
Was raten Sie Kolleginnen und Kollegen, die in der Selbstverwaltung aktiv werden wollen?
Alle müssen ihre Erfahrung mit einbringen, um die Selbständigkeit und Unabhängigkeit als Arzt zu erhalten und jungen Kolleginnen und Kollegen in der Praxis eine Perspektive zu geben.
Dipl.-Psych. Hartmut Uhl

Psychologischer Psychotherapeut, Potsdam

Mitglied der Vertreterversammlung

Warum ist das berufspolitische Engagement in der Vertreterversammlung für ambulant tätige Ärzte und Psychotherapeuten wichtig?

Es ist immer besser, sich um seine ureigene Interessen selbst zu kümmern als deren Verwaltung staatlichen Stellen zu überlassen.

Was macht Ihnen am Engagement in der Vertreterversammlung besonders viel Freude?
Der kollegiale Umgang mit anderen Mitgliedern der VV, das entspannte Miteinander auch bei aufregenden Themen und in schwierigen Zeiten.
Worüber haben Sie sich in der VV zuletzt richtig geärgert?
Über aus meiner Sicht überflüssige und nicht sachdienliche Polemik statt konstruktiver Beiträge.
Was raten Sie Kolleginnen und Kollegen, die in der VV berufspolitisch aktiv werden wollen?
Bringen Sie Zeit und Interesse mit, sich in komplizierte Zusammenhänge einzuarbeiten, und achten Sie immer darauf, sich auch für die Entwicklung der aktuellen Themen in der Vergangenheit zu interessieren. Bei aller Unterschiedlichkeit der Interessen gilt: Es geht nur miteinander, nicht gegeneinander!
Dr. med. Astrid Knöfel

Fachärztin für Chirurgie, Finsterwalde

Regionalbeiratsmitglied Südbrandenburg

Was macht Ihnen Spaß an der Aufgabe des Regionalbeirats?

Ich bin das Bindeglied und der Ansprechpartner zwischen der KV und den niedergelassenen Kollegen. Man kann auf kurzem Weg Probleme erörtern und nach Möglichkeit gleich eine Lösung finden.

Thomas Hoffmann

Facharzt für Allgemeinmedizin, Potsdam 

Regionalbeiratsmitglied Nord-West-Brandenburg

 


Foto: KVBB
Warum ist das Engagement in den Regionalbeiräten für ambulant tätige Ärzte und Psychotherapeuten wichtig?
Es ist eine verantwortungsvolle Tätigkeit, die etwas Zeit beansprucht, aber den Kontakt zu Kollegen aller Fachgruppen und der KVBB ermöglicht. Man erhält zudem zeitnah Informationen zu aktuellen berufspolitischen und medizinischen Themen. 

Was macht Ihnen Spaß an der Aufgabe des Regionalbeirats? 
Der kollegiale und fachliche Austausch. Wir treffen uns viermal im Jahr mit Kollegen aus anderen Regionen Brandenburgs und diskutieren sowohl aktuelle gesundheitspolitische Themen als auch spezielle Versorgungsprobleme und -fragen vor Ort.

Gibt es Punkte, die Sie als Regionalbeirat frustrieren?  
Corona, Corona, Corona … Und es ärgert mich, Ansprechpartner für (unzufriedene) Kollegen zu sein, die Dinge erwarten, deren Lösung im kassenärztlichen Bereich nicht möglich sind. Das dauerhafte Gemecker über die KVBB ist nicht zielführend. Jedem Arzt oder Psychotherapeuten steht es frei, Mitglied der KVBB zu werden, zu sein. 
Was raten Sie Kolleginnen und Kollegen, die in den Regionalbeiräten aktiv werden wollen?
Suchen Sie mit „Ihrem“ Regionalbeirat das direkte Gespräch. 
Dr. med. Hanjo Pohle

Facharzt für Allgemeinmedizin, Rathenow
Vorsitzender des Hartmannbund Landesverbands Brandenburg und Mitglied der KVBB-Vertreterversammlung


Foto: KVBB
Warum ist berufspolitisches Engagement in den KV-Gremien wichtig?
Seit Jahren erleben wir eine Minderschätzung unserer vertragsärztlichen Tätigkeit von Gesellschaft und Kassen. Diese haben sich seit langem schon aus ihrer Verantwortung als Sozialpartner uns gegenüber zurückgezogen. Daraus resultiert die nicht ausreichende Finanzierung von ärztlichen Leistungen mit den Folgen der inadäquaten Bezahlung unserer MFA, der stagnierenden wirtschaftlichen Entwicklung unserer Praxen, der Unzufriedenheit der Ärzte, ein System zu bedienen, was auf der einen Seite Flatrate-Mentalität der Patienten stützt und auf der anderen Seite nicht für ausreichende Honorierung sorgt. Wir als KV dagegen, übernehmen noch freiwillig Leistungen, um die gesellschaftlichen versorgungsrelevanten Prozesse am Laufen zu halten. Wir konstatieren eine hochgradige Imbalance zwischen Anspruch und gesellschaftlicher Realität! Und das muss anders werden!

Was raten Sie Kolleginnen und Kollegen, die in der Selbstverwaltung aktiv werden wollen?
Mit Vehemenz und klaren Worten gegen diese, durch das System gemachten Missstände vorzugehen und nicht weiterhin alles hinzunehmen. Die künstlich erhaltenen Gräben zwischen Haus- und Gebietsarzt zu egalisieren und sich gemeinsam für die grundsätzlichen Werte der Freiberuflichkeit einzusetzen . Dies bedeutet ein neues Selbstverständnis und ein neues Selbstbewusstsein gegenüber Gesellschaft und Kassen. Eine KV muss wieder in erster Linie die Interessen der Ärzte vertreten und sich dann als Körperschaft einordnen. Dafür lohnt sich zu kämpfen, da dieses Grundverständnis scheinbar verloren gegangen ist.