Krebsvorsorge im Klassenzimmer: Brandenburg startet zum Welt-HPV-Tag den Schüler-Wettbewerb „Die Impf-Checker“
Während Island 96 Prozent seiner Kinder vor HPV schützt, liegt Deutschland bei mageren 55 Prozent.
Gemeinsame Pressemitteilung von KVBB, BARMER, AOK Nordost, Innungskrankenkasse Brandenburg und Berlin (IKK BB), mkk – meine krankenkasse und Techniker Krankenkasse (TK)
Ein Blick auf die europäische Landkarte der Gesundheitsvorsorge schmerzt: Während Spitzenreiter wie Island (96 %) oder Norwegen (93 %) die Generation von morgen fast lückenlos gegen krebsauslösende HPV-Viren schützen, gehört Deutschland mit einer Impfquote von lediglich 55 Prozent (bei 15-jährigen Mädchen) zu den Schlusslichtern.
Passend zum Welt-HPV-Tag (4. März) setzt die von der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) ins Leben gerufene ‚AG Impfen‘ neue Impulse, um den Impfschutz in Brandenburg gemeinsam nachhaltig zu verbessern. Mit dem landesweiten Wettbewerb „Die Impf-Checker“ werden Schülerinnen und Schüler dazu aufgerufen, das Thema Krebsvorsorge kreativ in die eigene Hand zu nehmen.
Prävention als Projektarbeit: Das Klassenzimmer wird zum Impf-Studio
In Deutschland wird – im Gegensatz zu den europäischen Spitzenreitern – zu wenig über Prävention in den Schulen vermittelt. Daher muss die Aufklärung andere Wege finden. Der Wettbewerb soll die Schule zum Ort der Gesundheitskompetenz machen.
„Wir können beim Krebsschutz nicht länger auf den hinteren Plätzen verharren“, sagt
Catrin Steiniger, Vorstandsvorsitzende der KVBB. „Acht von zehn Menschen infizieren sich
im Laufe ihres Lebens mit HPV. Die Impfung ab neun Jahren ist die wirksamste Methode, um Gebärmutterhalskrebs und andere bösartige Tumore zu verhindern. Wir wollen, dass die Schülerinnen und Schüler zu Expertinnen und Experten ihrer eigenen Gesundheit werden.“
Der Wettbewerb: 5.000 Euro für die besten Clips und Podcasts
Gesucht wird kreativer Content statt trockener Theorie: Ob Erklärvideo oder Podcast – die Schülerinnen und Schüler entscheiden selbst, wie sie über HPV aufklären. Für die besten
Beiträge winken insgesamt 5.000 Euro Preisgeld für die Klassenkassen.
Die Preise werden jeweils für die drei folgenden Klassenstufen vergeben:
- 1. bis 6. Klasse (Primarstufe),
- 7. bis 10. Klasse (Sekundarstufe I) und
- 11. bis 13. Klasse (Sekundarstufe II).
Zusätzlich gibt es einen Publikumspreis in Höhe von 500 Euro.
Unterstützt wird die Aktion von einem starken Bündnis aus fünf Krankenkassen.
Statements der beteiligten Partner:
Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost: „Gesundheitskompetenz beginnt
früh – und Schule ist der richtige Ort dafür. Damit schaffen wir die Basis für ein gesundes Leben. Denn die Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK zeigen klar: Die HPV-Impfung schützt Mädchen und Jungen wirksam vor Krebs. Deshalb müssen wir Impfangebote und Aufklärung an Schulen stärken – und den Mut haben, neue Wege zu gehen, um damit selbstverständlich im Alltag junger Menschen und auch bei deren Familien anzukommen.“
Gabriela Leyh, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Berlin und Brandendburg: „Jedes nicht genutzte Impfangebot gegen HPV ist eine verpasste Chance, Krebs zu verhindern. Die HPV-Impfung ist eine sichere und wissenschaftlich fundierte Präventionsmaßnahme. Unser gemeinsames Ziel muss es daher sein, die Impfquoten in Brandenburg deutlich zu steigern.“
Frank Meier, Vorstand der IKK BB: „Das ist eine sehr gute Aktion. Wenn junge Menschen selbst über die HPV-Impfung informieren und davon überzeugen, wirkt das häufig nachhaltiger als jede externe Ansprache. Die Innungskrankenkasse Brandenburg und Berlin unterstützt diese wichtige Aktion mit voller Überzeugung.“
Susanne Hertzer, Leiterin der TK in Berlin und Brandenburg: „Gerade zu Beginn der Pubertät interessiert viele Jugendliche vor allem, was Gleichaltrige denken und tun. Videos sind oft spannender als Bücher, das Produzieren von eigenen Filmen und Podcasts ist eine willkommene Abwechslung zum normalen Unterricht. Unser Wettbewerb soll Jungen und Mädchen dazu anregen, sich mit dem wichtigen Thema Impfen zu beschäftigen.“
Andrea Galle, Vorständin der mkk – meine krankenkasse: „Prävention und Vorsorge sind die wirksamsten Hebel, um Krankheiten gar nicht erst entstehen zu lassen; insbesondere bei Krebsarten, deren Risiko durch eine frühzeitige HPV-Impfung deutlich gesenkt werden kann.
Mit der Initiative „Die Impf-Checker“ informieren Schülerinnen und Schüler ihre Altersgenossen kreativ und auf Augenhöhe. So wird aus reiner Wissensvermittlung echte Beteiligung. Auf diese Weise motivieren wir junge Menschen und stärken nicht nur die Impfquoten, sondern auch ein nachhaltiges Verantwortungsbewusstsein für die eigene Gesundheit.“
Alle Details zum Wettbewerb sowie weitere Informationen rund um die HPV-Impfung finden Sie unter www.kvbb.de/impfchecker
Fragen und Antworten HPV
Was ist HPV?
Humane Papillomviren (HPV) sind weit verbreitete Viren, die Haut- und Schleimhautzellen infizieren. Acht von zehn Menschen stecken sich im Laufe ihres Lebens mindestens einmal
damit an.
Welche Gefahren gehen von HPV aus?
Bestimmte HPV-Typen können Zellveränderungen verursachen, die zu Krebs führen. In Deutschland erkranken etwa 10.000 Menschen pro Jahr an HPV-bedingtem Krebs, davon
sind knapp 1/3 Männer. Nahezu 100 % aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs sind auf HPV zurückzuführen. HPV kann zudem Krebs in der Genitalregion (Vagina, Vulva, Penis), im
Mund-Rachen-Raum und im Analbereich verursachen.
Warum wird die Impfung bereits ab 9 Jahren empfohlen?
Die Impfung wirkt am besten, wenn der Körper noch keinen Kontakt mit den Viren hatte – also idealerweise lange vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Zudem reagiert das Immunsystem in jungem Alter besonders gut auf die Impfung.
Ist die Impfung sicher?
Ja. Seit 2014 wurden allein in Deutschland über zehn Millionen Impfdosen verabreicht. Das Paul-Ehrlich-Institut und die Weltgesundheitsorganisation überwachen die Sicherheit kontinuierlich. Außer kurzzeitigen Reaktionen an der Einstichstelle (Rötung, leichter Schmerz) sind schwere Nebenwirkungen extrem selten.
Wo wird geimpft?
Die Impfung erfolgt in der Regel in der Kinder- und Jugendarztpraxis oder beim Hausarzt. Darüber hinaus wird auch in vielen Facharztpraxen, etwa beim Gynäkologen oder Urologen, gegen HPV geimpft.
Wer zahlt die Impfung?
Für Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 17 Jahren ist die HPV-Impfung eine Regelleistung aller Krankenkassen. Viele Kassen bieten zudem zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen wie die U11 (9 bis 10 Jahre) an, bei denen der Impfstatus geprüft wird. Die J1-Untersuchung (12 bis 14 Jahre) ist für alle Jugendlichen eine wichtige Gelegenheit, das Thema beim Arzt anzusprechen.
Wie oft muss geimpft werden?
- 9 bis 14 Jahre: 2 Impfungen (Abstand mindestens 5 Monate)
- ab 15 Jahren: 3 Impfungen erforderlich