Pressemitteilung

Verantwortung und Mahnung: KVBB zeigt Wanderausstellung „Systemerkrankung“ in Potsdam

Vom 8. Januar bis zum 25. Februar 2026 zeigt die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) im Haus der Brandenburgischen Ärzteschaft die eindringliche Wanderausstellung „Systemerkrankung. Arzt und Patient im Nationalsozialismus“. Sie beleuchtet die tiefgreifende Verstrickung der Ärzteschaft und der medizinischen Institutionen in die Verbrechen des Nazi-Regimes.

Die Ausstellung, ein gemeinsames Projekt der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Kassenärztlichen Vereinigungen, macht deutlich, dass die Gräueltaten zwischen 1933 und 1945 keine „bedauerlichen Einzelfälle“ waren. Vielmehr handelte es sich um ein krankes System, in dem Mediziner aktiv an Ausgrenzung, Zwangs­sterilisationen und dem industrialisierten Massenmord der „Aktion T4“ mitwirkten.

Zur feierlichen Ausstellungs-Eröffnung in Potsdam kamen heute hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen. In ihrer Eröffnungsrede betonte Catrin Steiniger, Vorsitzende des Vorstandes der KVBB, die bittere Notwendigkeit dieser Auseinandersetzung:

„Wir eröffnen heute eine Ausstellung, die wehtut. Und sie soll wehtun. Die deutsche Ärzteschaft hat im Nationalsozialismus schwerste Schuld auf sich geladen. Dass Menschen, die der Heilung verpflichtet sind, sich in den Dienst eines verbrecherischen Regimes stellten, bleibt ein fassungsloser Befund. Gerade in Brandenburg, wo in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel über 9.000 Menschen ermordet wurden, ist diese Geschichte eine bleibende Verpflichtung.“

Das große öffentliche Interesse und die Bedeutung der Aufarbeitung spiegelten sich im Programm der Eröffnungsveranstaltung wider.

Neben Catrin Steiniger sprachen:

  • Dr. Jouleen Gruhn, Vizepräsidentin des Brandenburger Landtages
  • Patrick Wahl, Staatssekretär im Ministerium für Gesundheit und Soziales des Landes Brandenburg
  • Prof. Axel Drecoll, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

Die Kuratoren der Ausstellung, Dr. Ulrich Prehn und Sjoma Liederwald, führten die Gäste im Anschluss durch die Dokumente und Biografien, die das perfide Zusammenspiel von ärztlicher Praxis, Gesundheitspolitik und staatlichem Unrecht offenlegen.

Die Ausstellung schlägt bewusst die Brücke ins Heute. Sie thematisiert nicht nur das Versagen der Justiz und der ärztlichen Standesorga­nisationen bei der Aufarbeitung nach 1945, sondern mahnt zur Wach­samkeit gegenüber aktuellen Tendenzen von Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit.

„Erinnerung ist eine Aufgabe für die Gegenwart“, so Catrin Steiniger weiter. „Wir stehen heute für ein Gesundheitswesen ohne Diskrimi­nierung. Die ärztliche Selbstverwaltung hat die ethische Verantwortung, dass in unseren Praxen immer der Mensch im Mittelpunkt bleibt – unabhängig von Herkunft, Alter oder Leistungsfähigkeit.“

Service-Informationen für Besucher

  • Ausstellungszeitraum: 8. Januar bis 25. Februar 2026
    werktags von 9 bis 17 Uhr
  • Ort: Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) Pappelallee 5, 14469 Potsdam