Fluorchinolone & FQAD
Hochwirksame Antibiotika mit weitreichenden Anwendungsbeschränkungen wegen Nebenwirkungen
Fluorchinolone sind potente Antibiotika, ihr systemischer Einsatz ist jedoch mit teils schwerwiegenden, langanhaltenden und möglicherweise irreversiblen Nebenwirkungen verbunden, die als FQAD (Fluoroquinolone Acquired Disease) bezeichnet werden.
Empfehlungen zur Anwendung
Der Einsatz von Fluorchinolonen sollte ausschließlich in den zugelassenen Indikationen und nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.
Fluorchinolone sind in vielen Fällen nur Mittel der letzten Wahl.
Besonders zurückhaltend sollten Sie verordnen bei:
- älteren Patienten
- bestehender Niereninsuffizienz
- gleichzeitiger Corticosteroidtherapie
- nach Organtransplantation.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) haben nach neuen Daten insbesondere auf folgende Risiken hingewiesen:
- Aortenaneurysma und -dissektion
- Herzklappenveränderungen (Regurgitation, Insuffizienz)
- Weitere berichtete Nebenwirkungen: Fatigue, Muskelschäden, Sehnenruptur, Polyneuropathien, gastrointestinale Beschwerden, kognitive und psychische Störungen inklusive Depression und Suizidalität.
Verordnungs-Praxis und Off-Label-Use
In den vergangenen Jahren wurden Fluorchinolone besonders häufig bei älteren Menschen >75 Jahre, oft außerhalb zugelassener Anwendungsbereiche, verordnet – vor allem bei Atemwegs-, unkomplizierten Harnwegs- und Ohrinfektionen.
Bitte beachten Sie auch das erhöhte Regressrisiko bei Off-Label-Verordnungen!
Situationen, in denen Fluorchinolone nicht verwendet werden sollten:
- bei leichten bis mittelschweren Infektionen wie z. B.: akute Mandel-, Rachen- oder Kehlkopfentzündung, akute Bronchitis, unkomplizierte Blasenentzündung, akute bakterielle Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündung
- zur Prävention von Reisedurchfall
- zur Prophylaxe vor Operationen/Eingriffen im Urogenitaltrakt
- bei Patienten mit früheren schwerwiegenden Nebenwirkungen unter Fluorchinolonen.
Weitere Hinweise
Fluorchinolone sollen nur bei nachgewiesen bakteriellen Infekten und lebensbedrohlicher Indikation eingesetzt werden, wobei die lokale Resistenzlage zu berücksichtigen ist.
Wichtige Sicherheitsinformationen wurden 2019 und 2023 in Rote-Hand-Briefen veröffentlicht.
Aktuelle politische Entwicklungen
Im Juli 2025 wurde im Bundestag ein Antrag mit Bezug auf die Risiken durch Fluorchinolone gestellt, ein Förderprogramm zur Etablierung spezialisierter Zentren für FQAD-Betroffene wurde gefordert. Ziel ist es, FQAD als Erkrankung anzuerkennen, um den Zugang zu Rehabilitation und finanzieller Unterstützung zu erleichtern. In den USA ist FQAD bereits als eigenständige Erkrankung anerkannt.
Bitte halten Sie sich an die geltenden Leitlinien und prüfen Sie vor einer Verordnung stets die Indikation kritisch. Der Schutz Ihrer Patientinnen und Patienten steht im Vordergrund.